Friends United

Twenty years ago…

18 hockeyverrückte Junx, geführt von Bernie und begleitet von 7 nicht weniger verrückten Staff-Mitgliedern haben den Welthockey-Thron erklommen. Das erste Mal für Deutschland!!

Wenn man nur noch die Bilder aus Youtube in Erinnerung hat, nicht einmal mehr den Geruch der Torwarttaschen im Bus im Geiste zurückholen kann, wenn die ganzen Momente, in denen überhaupt keine dieser Heißluft mehr in die Lunge wollte, verdrängt sind, wenn sogar die Frühstücksnudeln mit Sojasoße zu einer verklärten Erinnerung verblassen, dann muss es rasant auf das Zwanzigjährige zugehen.

Wir sehen ja alle, nicht nur Mayo, noch exakt so aus wie 2002, und dass Flokke jetzt eben statt eines geheim eingeflogenen Geburtstagspakets zum 30. dieses Jahr einen 50. feiert, ist auch nur irgendeine Zahl auf ner Torte, deren Anblick Bernie schon herrlichstes Bauchweh gemacht hätte. Es ist auch einfach überhaupt nichts passiert seitdem. 

Der mit dem Alu-Schläger Strafbankstühle zerhackende Jami Bundestrainer mit Medaille? Bechi, der unnationalspielerigste Nationalspieler aller Zeiten, Triple-Trainer? Allein diese Giraffen-Lauftechnik würde doch keiner modernen Leistungsdiagnostik mehr standhalten. Gut, den Titel der weltweit berührendsten Kabinenansprache in einem nicht zu übertreffenden Crescendo passt hingegen genau. Aber Quincy, der auffälligste Stürmer seiner Zeit, jetzt motorradreisender Undercover-Agent? Klar, manches war vorhersehbar. „Ja klar“-Schupo musste mit dieser Knie-Genetik ja in die physikalische Medizin gehen, und der Mann mit dem rechten Arm oben ebenfalls. „Der Arzt, dem die Hockeyspieler vertrauen“, ausnahmsweise eine gute Überschrift im Hamburger Abendblatt. Und dass Shneez jetzt Eier operiert, irgendwie hätte man das schon auch erahnen können. Ebenso wie der Schreiber von damals auch heute Schreiber ist, übrigens ja zu diesem Beruf von uns Mayolele verleitet vor Olympia 2000. Ich will gar nicht wissen, wie sehr wir uns gegenseitig geprägt haben und was sonst aus uns geworden wäre. 

Clemente, der erste Mensch Europas mit einem iPod, natürlich wohnst du jetzt in Amerika, hast du es doch schon damals ganz vertraut als „die Staaten“ angeschmachtet. Und überhaupt: Torwart arbeitet beruflich mit Flugbahnen war fast so zwangsläufig wie das 2:1-Buch vom ersten Adiletten-Modell und Ähsthet. 

Tibor sieht noch heute so aus, dass man ihm über den Kopf streicheln möchte, ganz so trügerisch wie früher, und er verträgt noch genauso viel wie damals. Weser, der Mann mit dem fernsehtauglichsten Gesichtsausdruck aus dem Westen des Landes, ist jetzt auch endlich Funktionär. Und, seien wir ehrlich, Schüti hat den Laden schon damals emotional zusammengehalten, daran hat sich mal überhaupt gar nichts geändert. Ich persönlich hätte Buddy zwar eher als nickelbrillenden Staatsekretär gesehen, aber da darf man eben nicht ausrasten, das geht als Coach viel besser. Und der ewige Witti? Multipler Rekordhalter und qua eigenem Witti-Zeitalter verpflichtet, weiter im Hockeysport zu arbeiten. Andererseits, der geschmeidige Bachelor-Kandidat Vino ist jetzt Spielerberater statt Anwalt? Dann wiederum passt wunderbar: Die schnelle Glatze ohne Bremse arbeitet bei einer Versicherung. Emmel, der einzige, der an der linken Auslinie zwei Vorhandzieher nacheinander kann, ist wieder irgendwo anders, wo sie Marke, Vision und Hartnäckigkeit brauchen, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. 

Was aus dem Staff geworden ist? Die Frage stellt sich nicht, die waren ja vorher schon was. 

Und der Eters hat es geschafft, 20 Jahre lang das Gesprächsthema zu bleiben, allein dafür hat sich die Stimm-OP doch schon gelohnt.

Jetzt wollen wir Geschichte schreiben.

Flocke Kunz vor dem Finale

Das Finale in voller Länge

Und was danach passierte

Das „InTeames“ von Dieter „Didi“ Schuermann vom 10.3.2002 gibt in etwa eine Vorstellung davon, wie die Minuten und Stunden nach dem Finale abgelaufen sein müssen.
In Erinnerung an unseren Didi, der am 26.2.2019 leider schon von uns gegangen ist. Wir denken an dich!

Sicherlich wollen Sie wissen, wie es den Weltmeistern seit gestern Abend ergangen ist. Während ich diese Zeilen am Sonntag Mittag, 13.00 Uhr Ortszeit, in meinem Zimmer im 16. Stock schreibe, dringt der Gesang der Junx vom Pool zu mir herauf. Seit dem Schlusspfiff ein einziger, noch nicht unterbrochener Rausch. Und der wird sich sicherlich noch einige Zeit hinziehen. Ich hoffe, Malaysia Airways hat genug Bier an Bord. Ich werde wohl noch ein wenig telefonieren müssen.

Die Junx jetzt am Pool. Trotz geschlossener Fenster ein Heidenlärm. Eben traf ich Super-Mario in der Hotel-Lobby, die Basica-Tonne in der Hand. „Wo willste denn damit hin?“ – meine erstaunte Frage. Mineraldrinks sind doch seit gestern Abend out. Aber Mario brauchte ein unverfängliches Behältnis für den Einkauf an der Tanke gegenüber. Dort gibt es Dosenbier. Nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot, sondern eher nach muslimischen Vorschriften gebraut und eher alkoholarm. Aber Sie wissen ja, was der Teufel in der Not zu sich nimmt…   

Der Siegesrausch begann auf dem Treppchen. Das die Junx gar nicht mehr verlassen wollten. Fotos ohne Ende. Die Journalisten stürzten sich auf die Weltmeister, vielleicht ist ja auch in deutschen Zeitungen heute davon etwas zu sehen. Und dann feiern mit den Fans im Stadion. Vor allem der stattlichen deutschen Kolonie. Bestimmt 350 Deutsche, die meisten Einheimische, standen gestern wie ein Mann hinter unseren Junx und feuerten sie lautstark an. Vom Stadion ging der Siegeszug ins hiesige Concorde-Hotel.

Die Lobby war prasselvoll von Fans, die das Team auch hier erwarteten. Fernsehkameras, die Fotojournalisten schon wieder hier. Und dann Einzug in die Hotelbar, auf die Bühne, wo jeden Abend Live-Musik gespielt wird. Hupe hatte schnell das Instrumentarium übernommen, Bechi das Mikrophon und dann immer wieder der Gesang, der schon auf dem Treppchen begonnen hatte, „wir sind gut drauf, wir sind gut drauf“. Natürlich auch das unvermeidliche, inbrünstig intonisierte und niemals berechtigtere „We are the champions“.

Kurzes Verweilen auf dem Mannschaftsflur. Natürlich kein Duschen, sondern mit den frischen WM-T-Shirts „Hockey-Weltmeister“ (irgendjemand war da nicht abergläubisch und hatte vorgearbeitet. Oder streng gläubig an Peters und der Mannschaft Fähigkeiten) auf in den „Nuovo-Club“. Frank Steinleitner, auch nicht abergläubisch, hatte ebenfalls vorausgeplant und diese Disco, wenige Schritte von unserem Hotel entfernt, und mitten in der KL-Flaniermeile für uns teilweise reserviert. Er hatte einmal mehr das richtige Händchen für die richtige „location“ zur rechten Zeit gehabt.    

Gegen 0.30 Uhr auch hier unter großem Jubel aller eingeladenen Fans, der deutschen Community und den normalen Disco-Besuchern „Einmarsch der Gladiatoren“. Und Freibier für alle bis zum Abwinken. Um 4 Uhr schließen hier die Discos kategorisch. Von da an trennten sich unsere Wege. Aber unsere Rubrik heißt ja auch In-Teames, nicht Intimes. Hier schweigt des Sängers Diskretion. 

Das darf keine Rolle spielen, ob da 50, 55 oder 70 Grad herrschen auf dem Platz.

Lukas Podolski auf die Frage, ob die Spieler mit der Hitze in Brasilien bei der WM 2014 zu kämpfen haben

Highlights der Heat Games – alle Spiele alle Tore

Die Hood in KL

The Team 2002